Diesen Monat schauen wir unserer Sendereihe »Frieden gestalten - Wie geht das?« auf drei Orte, an denen der Übergang zwischen Krieg und Frieden, Nachkriegsgesellschaft und Erinnerung, Neuanfang und Wiederaufbau eine Rolle spielen. Ein nicht militärisch, sondern mehr sozial und wirtschaftlich geführter Krieg ist die aktuelle US-Machtpolitik in Lateinamerika: Christian Conde spricht mit Tobias Lambert über Trumps »Donroe-Doktrin« und die Fortsetzung imperialer Kontinuitäten.
Dann blicken wir 90 Jahre zurück auf einen »heißen« Krieg: den Spanischen Bürgerkrieg, in dem auch Freiwillige aus dem Globalen Süden ihren Kampf gegen den Faschismus mit dem gegen Kolonialismus und Rassismus in ihren eigenen Heimatländern verbanden. Mit Gedanken von drei Internationalistischen Brigadist*innen.
Schließlich schauen wir nach Syrien, wo der Krieg zum Glück zu Ende ist und die Syrische Friedensorganisation Swaadna mit traumatisierten Frauen und Kindern arbeitet – Geschäftsführerin Sara Almir erzählt von einem fragilen Übergang zwischen Hoffnung und ungelöster Gewalt seit dem Sturz Baschar al-Assads Ende 2024.
Genießt die letzten Sommertage!
Ganze Sendung #148 hören

Quality Time und erfolgreiche Krisenbewältigung für syrische Kinder bei der Organisation Swaadna | Foto: Mohammad Hajjar
Die Magazinbeiträge

Lateinamerika
Gespräch mit Tobias Lambert
Im Sommer 2026 machte die US-Regierung unter Donald Trump noch einmal deutlich, dass sie die Monroe Doktrin fortsetzen will. Mit dieser hatten die USA 1823 ihren hegemonialen Anspruch auf Lateinamerika formuliert (Trump selbst spricht in Anlehnung an seinen Vornamen von der »Donroe-Doktrin«). Bereits jetzt nehmen die USA in Lateinamerika Einfluss auf Wahlen und verstärken ihre militärische Präsenz im Pazifik und der Karibik. Nach Angriffen auf vermeintliche Drogenboote folgte im Januar 2026 die Entführung von Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro. Bald könnte die nächste Eskalation folgen: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte zuletzt an, gemeinsam mit der kolumbianischen Rechts-Regierung militärisch gegen bewaffnete Gruppen im Land vorzugehen. Die Gewalt in den Ländern Lateinamerikas wird durch diese US-Politik zunehmen, ein wie auch immer gearteter Frieden eher unwahrscheinlicher. Christian Conde hat mit dem Journalisten und Autor Tobias Lambert gesprochen, der erst diesen Juli das Buch »Zurück in den Hinterhof-Die USA und Lateinamerika « veröffentlicht hat.

Freiwillige aus dem Globalen Süden im Spanischen Bürgerkrieg
Vor 90 Jahren, am 17. Juli 1936, putschten rechte Militärs unter Franco gegen die Zweite Spanische Republik – der Beginn eines Krieges, der zum Vorboten des Zweiten Weltkriegs wurde. Auf der einen Seite marokkanische Kolonialtruppen, die »Regulares«, sowie deutsche und italienische Faschisten. Auf der anderen Seite Arbeitermilizen, die Internationalen Brigaden – zehntausende Freiwillige aus aller Welt, die nach Spanien kamen, um die Republik zu verteidigen. Unter ihnen: die Argentinierin Mika Etchebehere, die nach dem Tod ihres Mannes an der Front das Kommando über eine Milizeinheit übernahm – eine der wenigen Frauen in dieser Rolle. Und afroamerikanische Freiwillige wie Canute Frankson aus Jamaika oder Eduart McDonald aus Mississippi, die im Kampf gegen den spanischen Faschismus auch ihren eigenen Kampf gegen Rassismus und Lynchjustiz in den USA erkannten.Der Beitrag von Sarah Wehrle erzählt, warum Menschen aus dem Globalen Süden einen Krieg auf einem anderen Kontinent zu ihrem eigenen machten – und wie ihr internationalistischer Kampf mit den Erfahrungen von Kolonialismus und Unterdrückung in ihren Heimatländern verbunden war.

Syrien
Die Syrische Friedensorganisation Swaadna
Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 befindet sich Syrien in einer fragilen Übergangsphase. Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa, ehemaliger Anführer der islamistischen Miliz Hay'at Tahrir al-Sham, hat die alte Verfassung ausgesetzt und regiert seither mit einer Interimsregierung. Eine Übergangsverfassung trat im März 2025 in Kraft, seit Oktober 2025 gibt es ein ernanntes Parlament. Doch der politische Übergang bleibt umstritten: Ungeklärt sind die Rechte religiöser und ethnischer Minderheiten – Alawitinnen, Drusinnen, Kurdinnen –, die Integration der kurdisch geführten SDF-Milizen ins syrische Militär, sowie eine neue Verfassung. Vereinzelt kommt es weiterhin zu Kämpfen. Die wirtschaftliche Lage bleibt für die meisten Syrerinnen schwierig, und noch immer gibt es keine strafrechtliche Aufarbeitung der Verbrechen der Assad-Ära.
In diesem fragilen Umfeld arbeiten lokale Organisationen wie Swaadna Al Souriya mit den Menschen, die unter dem Krieg am meisten gelitten haben: Frauen und Kinder. Sara Almir, Geschäftsführerin von Swaadna erzählt, wie sich ihre Arbeit mit traumatisierten Frauen und Kindern seit dem Umbruch verändert hat – und was es braucht, damit aus dem Ende des Krieges auch wirklich Frieden wird.
