Feministische Arbeitskämpfe in der Textilindustrie in Myanmar, Aufruhr und Proteste auf den Straßen in Lomé/Togo, die militärische Hochrüstung im südchinesischen Meer: Unsere Themen in diesem südnordfunk scheinen nichts Verbindendes zu haben.
Doch alle drei Themen sind - auf lokaler Ebene und im gelebten Alltag der Menschen - Ausdruck der Polykrise, von der so viel die Rede ist. Die Vielfachkrise: Angriffskriege, Energiepreisexplosion, Inflation, Demokratieabbau und Klimakatastrophe. Es jagt nicht nur eine Krise die nächste. Die desolaten Krisenlösungsstrategien werden geradezu globalisiert: Allerorten soll wirtschaftliche Stagnation durch ressourcenintensives Wachstum wettgemacht werden, die Fossilindustrie tritt als Krisenprofiteur auf. Wirtschaftslibertäre Schocktherapien wie in Argentinien sind auf dem Vormarsch. Die Militarisierung der Gesellschaft angesicht der zahlreichen Kriegsschauplätze scheint die dominante Rezeptur gegen jegliche Sicherheitskrisen. Egal, ob diese real sind (wie Terror) oder herbeigeredet (wie der sogenannte Bevölkerungsaustausch).
Das Resultat all dessen: Der Abbau demokratischer Strukturen durch autoritäre Regime und rechte Bewegungen. Im Dossier »Die Vielfachkrise – noch reparabel?« unserer südnordpolitischen Zeitschrift fragten wir schon letztes Jahr nach den internationalen Wechselwirkungen dieser multiplen Krise(n). Die drei Schauplätze, die wir heute im südnordfunk besuchen, sind also auch Ausdruck des Krisenkomplexes.
Sicher fragen unsere Hörer*innen sich, wie und nach welchen Kriterien der südnordfunk seine Themen auswählt angesichts der sich überschlagenden Ereignisse. Denn eine Stunde Sendezeit im Monat kann nur wenige Schauplätze hörbar machen. Der südnordfunk lässt die Stimmen derer zu Wort kommen, die sich im Globalen Süden gegen die Normalisierung der Krisen wehren, die trotz starker Repressionen aufbegehen, die die Krisenmitverantwortlichen nicht einfach länger gewähren lassen wollen. Von daher sprechen wir oft mit Menschenrechtsverteidiger*innen, Jurist*innen, Kampagneninitiator*innen und kritischen Analyst*innen, deren Stimmen in den Debatten um die Vielfachkrise in Europa eher selten zu hören sind.
Diesen Monat ist es eine Gewerkschaftsaktivistin aus Myanmar, ein kritischer Analyst der Militarisierung aus den Philippinen, ein Vertreter der Bewegung »Tournons La Page« aus Togo, die zugleich Teil eines afrikanischen Bündnisses junger Menschen ist, die einen Wandel der politischen Herrschaftssysteme in ihren Ländern fordern.
Euer südnordfunk Team
