Kritische Medien sind ungemütlich, blicken auf unterbelichtete Themen und bilden Diskursräume, in denen wichtige Debatten geführt werden. Allerdings sind Berichte mit Blick auf die Süd-Nord-Zusammenhänge medial immer weniger präsent. Doch was wäre eine Welt ohne kritische Auslandsberichte, ohne Reportagen und Analysen aus dem Pluriversum? Ohne die Stimmen aus den Ländern des Globalen Südens?
Was die südnordpolitische Publizistik, die seit Jahren um ihre Existenz kämpft, dem Trend des Ausblendens entgegenhalten kann - darüber diskutierten im Rahmen eines Online Gesprächcafés im Dezember Leonie March, Journalistin und Vorstand von weltreporter.de, Christian Jakob, Journalist bei der taz und Julia Vernersson, von hostwriter.org und unbiasthenews.org - sowie zahlreiche nordsüdpolitische Medien. Auf unserer Website kann das Gespräch nachgehört werden, oder direkt hier:
Online Gespräch »Um alles in der Welt« zu nordsüdpolitischer Medienarbeit
In unserer Januarsendung: Stimmen zu Syrien, Stimmen aus West Papua und aus Guatemala. Auch hier geht es um Journalismus. Euer südnordfunk Team plant für 2025 wieder Magazinbeiträge aus dem Pluriversum, viele davon könnt ihr als Podcast abrufen und die Skripte auf unserer Website lesen.
Euch allen viel Schwung für das Jahr!
Ganze Sendung #128 hören

Demonstrationen im Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus, Menschen fordern auf Plakaten »Weder militärisch noch religiös, ein ziviler Staat« | Foto: privat
Die Magazinbeiträge

Syrien
Eine kurdische Perspektive auf den Sturz Baschar al-Assads in Syrien
Am 8. Dezember 2024 eroberten Rebellen in Syrien fast kampflos die Hauptstadt Damaskus, stürtzten die Regierung und beendeten damit die mehr als 50 Jahre andauernde Herrschaft der Familie Assad. Eine Diktatur mit all ihren Menschenrechtsverletzungen wie willkürliche Hinrichtungen, Staatsfolter und Unterdrückung von Minderheiten schienen von einem auf den anderen Tag beendet. Der Sturz Assads in Syrien hat vielfältige Reaktionen in der internationalen Gemeinschaft, bei Exilsyrer*innen und Menschenrechtsorganisationen ausgelöst. Während viele eine Rückkehr von geflüchteten Syrer*innen als so realistisch wie noch nie erachten, ist Biryar Kouti vorsichtiger. Er spricht im Interview mit iz3w über seine persönlichen Gefühle zur aktuellen Lage und die Gefahren einer Machtübernahme durch radikale Islamisten.

West Papua, Indonesien
Tribunal über gewaltsame Landnahmen in West Papua, Indonesien
Das in Rom ansässige Ständige Völkertribunal PPT* organisiert regelmäßig internationale Tribunale. Im Juni 2024 saß Indonesien auf der Anklagebank – wegen Landraub, gewaltsamer Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in West Papua. Der Anwalt Leonardo Ijie ist einer der zentralen Zeugen im Verfahren. Magdalena Kafiar hat Menschenrechtsverbrechen in West Papua dokumentiert. Gemeinsam haben die beiden vor dem UN Menschenrechtsrat von den Vergehen der indonesische Regierung berichtet. Doch was bringt eine Gerichtsbarkeit außerhalb der von Indonesien anerkannten Rechtsinstitutionen?

»Wir sind nicht neutral«
Community Journalismus in Guatemala
Carlos Ernesto Choc ist Journalist, ist Maya Qèqchi und stammt aus der Stadt El Estor am Ausgang des Izabal-Sees im Osten Guatemalas. Er war am Projekt »Green Blood Mining Secrets« beteiligt. Eine Studie über die Umweltschäden durch die Nickel Minen in Guatemala. Seine Berichte wurden in verschiedenen europäischen Medien veröffentlicht. Er ist Teil des internationalen Journalisten Netzwerkes Forbidden Stories mit Sitz in Paris.
Gemeinsam mit unserem Kollegen Martin Schäfer von der LN trafen wir uns mit ihm Anfang Dezember 2024 zu einem Gespräch in unserem Berliner Büro, um uns über das Thema Comunity Journalismus und freie Medien auszutauschen. Ein Beitrag von Antje Vieth vom Nachrichtenpool Lateinamerika (NPLN).
