»Frieden gestalten – wie geht das?« Mit dieser Sendereihe schaut der südnordfunk derzeit auf ausgewählte Konfliktregionen im Globalen Süden, berichtet aber von lokalen Friedensinitiativen, ihrem Wirken und ihren Herausforderungen. Gleichzeitig gilt es aber auch eigene Sprechpositionen abzuklopfen und zu klären.
Unser Kollege Lars Springfeld war letzten Monat in Mali und hat dort mit lokalen Friedensaktivist*innen gesprochen – während quasi zeitgleich bewaffnete Gruppierungen die Ausfahrtsstraße aus der Hauptstadt Bamako in den Norden blockierten, den Verteidigungsminister der regierenden Militärs töteten und zahlreiche Überfälle vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung zu verantworten hatten. Er fragte sich, wie Friedensarbeiter*innen hier wirken können, während der bewaffnete Konflikt in dem Sahelstaat weiter zu eskalieren scheint.
Außerdem wagen Georg Lutz und Martina Backes vom iz3w im Kolleg*innengespräch einen historischen Rückblick auf die strittige Frage: wie positioniert sich die emanzipatorische Linke zu Krieg und Pazifismus, zu militärischem Eingreifen und Blockaden, während die Mehrheit der Bevölkerung oder Parlamentarier*innen damit d‘accord geht, dass nur Waffen, Aufrüstung und Kriegsfähigkeit wirksame Mittel sind, um Freiheit gegen die gewaltsamen Angriffe von Autokraten und Schlächtern zu verteidigen?
Über diese vermeintliche Widersprüchlichkeit wird innerhalb der Linken spätestens seit der »Zeitenwende« wieder massiv diskutiert. Foto: Georg Paaßen_CC BY 3.0
Die Magazinbeiträge

Analyse
Emanzipatorische Perspektiven verteidigen
Ballistische Verteidigung oder Festhalten am waffenlosen Frieden?
Krieg ist auf der politischen Bühne zurück. Verteidigungsminister heißen wieder Kriegsminister. Im Globalen Süden war der Krieg nie weg, aber auch hier steigen die Rüstungsausgaben und der militärisch-industrielle Komplex gewinnt an Macht, Präsenz und Einfluss. Die politische Forderung nach Kriegsfähigkeit und Wehrtüchtigkeit beflügelt zudem die autoritäre Rechte.
Die emanzipatorische Linke streitet seit jeher über ihr Verhältnis zu Krieg, Pazifismus und militärischem Eingreifen. Während die einen Waffen und Aufrüstung als notwendig zur Verteidigung gegen autoritäre Gewalt ansehen, blieb die Linke historisch oft gespalten – etwa bei den Irakkriegen oder den NATO-Angriffen auf Serbien, oder jetzt auch ganz aktuell beim Krieg der USA/Israel gegen den Iran.
Wie findet die emanzipatorische Linke zu einer Haltung, die polarisierende Generalkonzepte vermeidet? Es geht darum, wie man der Komplexität von Konflikten gerecht werden kann und welche Fragen aus emanzipatorischer linker Perspektive zu stellen wären, die neue Handlungsräume öffnen. Auch werfen unsere Kolleg*innen einen Blick darauf, unter welchen globalen Bedingungen Friedensarbeit heute stattfindet. Aus welchen politischen Perspektiven heraus wird sie geführt? Was besagt der Local Turn als Kritk am liberalen Friedenskonzept?

Mali
»Ohne Brot keinen Frieden«
Friedensarbeit in Mali zwischen Gewalt, Armut und Hoffnung

Arbeitskreis mit Friedensakteur*innen zu operativer Planung für einen dauerhaften Frieden in Mali. Foto: Francois Tendeng - EIRENE
Lars Springfeld sprach in Bamako mit den Friedensarbeitern François Tendeng und Moctar Karama von EIRENE. Eirene ist eine christlich geprägte internationale Friedensorganisation, die seit den 1950er Jahren Freiwillige in Länder des Globalen Südens entsendet, um vor Ort zivilgesellschaftliche und soziale Projekte zu unterstützen. Die Ereignisse vom 25. April 2026 ließen die Themen des Gesprächs noch dringlicher erscheinen und wir fragten uns: Was bedeutet Frieden in einem Land, das seit mehr als einem Jahrzehnt von Gewaltkonflikten geprägt ist? Warum reicht militärische Sicherheit allein nicht aus? Welche Rolle spielen Armut, soziale Gerechtigkeit und lokale Konflikte? Und weshalb richtet sich der Blick internationaler Medien oft auf Geopolitik statt auf die Menschen vor Ort?
