monatliche Übersicht über die Audiobeiträge und die Magazinsendung

südnordfunk Newsletter # 133 | Juni 2025

 
    südnordfunk #133                                                                       Webansicht
 
 

     Die iz3w Magazinsendung im Juni 2025

  
 

In der Juniausgabe des südnordfunk geben wir kurze Einblicke in die Geschichte der vergessenen Befreier und Befreierinnen, die im Zweiten Weltkrieg in den heutigen Ländern des Globalen Südens gegen den Faschismus und die Achsenmächte kämpften. Ihr Beitrag ist wenig bekannt. Unzählige Menschen wurden in Nordafrika, in Südostasien oder Brasilien in den Krieg hineingezogen oder von seinen Gräueln erschüttert. Menschen aus Südostasien kämpften in Europa, Brasilianer gegen die Wehrmacht und die Faschisten in Italien. Erst nach und nach wird bekannt, welchen enormen Einsatz auch Widerstandskämpfer*innen aus dem Globalen Süden leisteten. Das Gedenken an ihren Beitrag zur Überwindung des Faschismus verblasst  bedauerlicherweise hinter den Kulissen Erinnerungspolitik der europäischen Akteure.

Buchcover aus »Life as the river flows« von Agnes Khoo

  • Wir sprechen mit Louis de Oliveira, Kind portugiesisch-italienischer Eltern, der mit Partisanen in Italien und ehemaligen brasilianischen Soldaten gesprochen und ihre Geschichte in Barga, einem kleinen Dorf im Apennin, in einem Museum dokumentiert hat. 
  • Der Widerstand gegen den japanischen Faschismus und später gegen die Briten im heutigen Malaysia und Singapur hat Agnes Khoo in einem beeindruckenden Oral-History-Werk dokumentiert und gewährt im Interview Einblicke in diese Arbeit.
  • Und der Historiker Aomar Boum erzählt – ausgehend von den jüdisch-muslimischen Beziehungen in den 1930er-Jahren – die Folgen der Vichy-Herrschaft für die Juden und Jüdinnen Nordafrikas. Denn auch hier hatten die faschistischen Achsenmächte Lager aufgebaut. 

Euer südnordfunk-Team

Ganze Sendung #133 

 

Die Magazinbeiträge

 

Diskriminiert trotz Gleichberechtigung

Kommunistischer Widerstand und die Rolle der Frauen in Südostasien während des Zweiten Weltkrieges 

Interview mit Agnes Khoo

Im Winter 1941/42 überfiel die Armee des faschistischen Japans die südostasiatischen Inseln Malaya und Indonesien. In einer Art »Blitzkrieg auf Fahrrädern« gelang es ihnen, die ansässige Britische Kolonialherrschaft innerhalb kürzester Zeit zur Aufgabe zu zwingen und die Kontrolle über diese Gebiete abzugeben. Bereits vor der Invasion kämpften kommunistische Guerillakämpfer*innen gegen die Britische Kolonialmacht, nun also gegen die Faschisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen diese dann abermals den Britischen Machthabern gegenüber. In den Guerillaarmeen kämpften Männer und Frauen vermeintlich gleichberechtigt Seite an Seite: Beide standen bewaffnet an der Front, beide legten Landminen und schleppten schwere Lasten durch den Dschungel und über die Berge. Dennoch wirkten auch hier patriarchale Geschlechterunterschiede.

In der Geschichtsforschung wurde dem bislang wenig Rechnung getragen. Die Soziologin Agnes Khoo aus Singapur publizierte 2004 das erste und bislang einzige Oral-History-Buch, das sich ausschließlich mit Frauen beschäftigt, die in Thailand, Malaysia und Singapur in der antikolonialen und antifaschistischen Guerilla gekämpft haben. Im Interview mit Agnes Khoo spricht Eva Gutensohn vom südnordfunk über die Situation der Guerillakämpfer*innen während der japanischen Besatzung, über Geschlechterunterschiede und das Ausbleiben eines Friedens trotz gewonnenem Krieg.

 

Marokko & Nordafrika

Zwangsarbeit und der faschistische Einfluss in Nordafrika

Aus einem Vortrag des Anthropologen und Historikers Aomar Boum

1940 besetzte Nazideutschland große Teile Frankreichs. Das hatte unmittelbare Auswirkungen auf die französischen Kolonien sowie auf Fluchtmöglichkeiten europäischer Jüdinnen und Juden vor dem Holocaust. Auch in Nordafrika wurden antisemitische Gesetze erlassen und sogenannte »unerwünschte« Personen in Lagern inhaftiert – darunter europäische Jüdinnen und Juden. Anhand der Biografien von Inhaftierten schildert Aomar Boum die Verflechtungen zwischen kolonialer und faschistischer Gewaltherrschaft in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs.

  

 

»Aufgrund der Geschichte können wir die Gegen­wart und die Zukunft besser verstehen«

Interview mit dem Journalisten und Fotografen Luis De Oliveira

Warum schickten die Machthaber der damaligen rechten Diktatur Brasiliens 25.000 Soldaten über den Atlantik, um in Europa gegen eine andere rechte Militärdiktatur, die faschistische Wehrmacht, zu kämpfen? Wie war die Situation vor Ort für ehemals kolonisierte Menschen, nun in der Rolle der Befreier? Und warum ist so wenig über die Beteiligung brasilianischer Soldaten an der Befreiung Italiens bekannt? Der südnordfunk sprach mit dem Autor Luis De Oliveira, über die »vergessenen brasilianischen Befreier Italiens«.

 
Bereits im März lief die Debatte um die Aufstellung der ‚Trostfrauenstatue‘ in Köln

Unerschütter­licher Wider­stand

Am 8. März 2025 wurde vor dem NS-Dokumentationszentrum in Köln eine Nachbildung der Friedensstatue enthüllt. Geschaffen wurde sie vom koreanischen Künstler*innenpaar Kim Seo-Kyung und Kim Eun-Sung. Die Skulptur erinnert an rund 200.000 Frauen und Mädchen aus Asien und der Pazifikregion, die im Zweiten Weltkrieg von der japanischen Armee in Militärbordelle verschleppt wurden. Doch es gab Diskussionen im Vorfeld: Die Stadt Köln wollte die Aufstellung vor dem Museum verhindern.

Eine Aktivistin sagt: »Die Friedensstatue symbolisiert für mich den unerschütterlichen Widerstand und die Kraft der Frauen, die sich trotz Unterdrückung behauptet haben. Sie erinnert und mahnt, das Leid der Vergangenheit nicht zu vergessen. Sie ruft dazu auf, aktiv für eine Zukunft einzutreten, in der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung gelebt werden.« Nataly Jung-Hwa Han erläutert, warum es wichtig ist, den Begriff ‚sexuelle Sklaverei‘ zu verwenden, um die Verbrechen klar zu benennen. 

 

 

Unser Dossier zur Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg

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